Börsen trotzen Konjunktursorgen – Notenbanker im Blick

Frankfurt (Reuters) – In Erwartung geldpolitischer Signale haben sich Europas Aktienmärkte nach oben bewegt.

Dax und EuroStoxx50 legten am Mittwochnachmittag je 0,8 Prozent zu auf 15.957 und 4337 Punkte.

An der Wall Street traten die US-Futures mehr oder weniger auf der Stelle. Investoren hielten sich bedeckt, da die Chefs der großen Notenbanken bei der jährlichen Geldpolitikkonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra richtungsweisende geldpolitische Kommentare liefern könnten.

Geplant ist am Nachmittag (MESZ) eine Diskussionsrunde mit den vier mächtigsten Notenbankern der Welt: Fed-Chef Jerome Powell, EZB-Präsidentin Christine Lagarde, der neue Chef der Bank von Japan, Kazuo Ueda, und der Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey.

“In diesen Situationen halten sich die politischen Entscheidungsträger oft an das Drehbuch und ziehen es vor, große Ankündigungen für Sitzungen und bestimmte hochkarätige Veranstaltungen zu hinterlassen.

Aber bei so vielen Köpfen, die gleichzeitig auftauchen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass mindestens einer etwas sagt, das die Märkte entweder erschüttert oder stimuliert”, sagte Analst Craig Erlam vom Broker Oanda.

US-CHIPHERSTELLER FALLEN NACH BERICHT ÜBER CHINA-EXPORTE

Der Euro gab 0,3 Prozent auf 1,0923 Dollar nach.

Für Stirnrunzeln sorgte hierzulande, dass sich die Verbraucherlaune in Deutschland erstmals seit Oktober 2022 wieder eingetrübt hat. Die GfK-Konsumforscher sagen für Juli einen Rückgang ihres Barometers um 1,0 auf minus 25,4 Punkte voraus.

Gegenwind bekommen die Börsen auch von den zunehmenden geopolitischen Risiken – sowohl durch den Russland-Ukraine-Krieg, als auch wieder aufflammende Spannungen im Handelsstreit zwischen den USA und China.

Die US-Regierung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge eine Verschärfung der Lizenzvorschriften für den Export von Spezialchips für künstliche Intelligenz (KI) nach China. Die Lieferungen der Komponenten an chinesische Abnehmer soll bereits im Juli eingestellt werden, berichtete die Zeitung “Wall Street Journal” unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Papiere der Branchenriesen Nvidia und AMD gerieten im vorbörslichen US-Geschäft unter Druck. Der deutsche Chiphersteller Elmos Semiconductor war hingegen bei Investoren begehrt: die Aktien kletterten um mehr als sieben Prozent und waren damit die größten Gewinner im Kleinwerteindex SDax.

Nach dem Veto des Bundeswirtschaftsministeriums hat Elmos einen neuen Käufer für seine Wafer-Fertigung in Dortmund gefunden.

ANLEGER AM BONDMARKT NERVÖS

Größter Dax-Gewinner waren die Titel von Siemens Energy mit einem Kursgewinn von bis zu 7,4 Prozent.

Die Titel waren nach der Streichung der Jahresprognose des Energietechnik-Konzerns am Freitag spektakulär abgestürzt und hatten rund 37 Prozent verloren.

In Zürich fielen die Aktien von Swiss Life um 3,8 Prozent.

Der bevorstehende gewinnschmälernde Wechsel zu einem neuen Rechnungslegungsstandard belastete die Titel des Lebensversicherers. Der Konzern bekräftigte indes seine Finanzziele und Dividendenpolitik.

Vorsichtig herrschte an den Anleihemärkten.

Dort wetteten immer mehr Investoren auf eine tiefgreifende Konjunkturabschwächung. Der viel beachtete Rendite-Abstand – im Fachjargon Spread genannt – zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen blieb mit 0,862 Prozentpunkten auf einem sehr hohen Niveau.

Experten sprechen hier von einer “inversen Renditekurve”, weil üblicherweise kürzer laufende Titel wegen des kleineren Risikos niedriger verzinst werden als Langläufer. Unter Experten gilt eine solche Entwicklung als Vorbote einer Rezession.

(Bericht von Anika Ross, Zuzanna Szymanska.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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