Trippelschritte nach oben für den Dax – Berichtssaison wartet

Frankfurt (Reuters) – Vor der Veröffentlichung zahlreicher Geschäftszahlen zum zweiten Quartal haben sich die Anleger an den europäischen Börsen am Donnerstag kaum aus der Deckung gewagt.

Der deutsche Leitindex Dax gewann 0,6 Prozent auf 16.204 Punkte. Der EuroStoxx50 notierte 0,3 Prozent im Plus bei 4373 Zählern. Seitdem die Marke von 16.000 Punkten überschritten worden sei, herrsche beim Dax Bewegungsarmut, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensberatung QC Partners.

“Die Berichtssaison könnte jetzt darüber entscheiden, ob der Dax seine aktuelle Spanne nach oben oder unten verlässt.”

Neben den Quartalsbilanzen sorgten auch Zinsspekulationen weiter für Unruhe im Markt.

Anleger rätseln derzeit, ob die US-Notenbank Fed schon bald ihren Zinsgipfel erreicht hat. Laut einer Reuters-Umfrage rechnen Volkswirte damit, dass der US-Leitzins nächsten Mittwoch um einen Viertel Prozentpunkt auf die neue Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent gehievt wird.

An den Rohstoffmärkten geriet Kupfer in den Blickpunkt. Der Rohstoff, der vor allem von der Bauindustrie benötigt wird, verteuerte sich zeitweise um 1,8 Prozent. Dabei spielte ein Bericht eine Rolle, wonach die chinesische Regierung Erleichterungen für Immobilien-Investoren erwägt.

Die chinesische Wirtschaft hat zuletzt massiv an Fahrt verloren. Die Analysten von TD Securities erwarten daher, dass die Führung in Peking beim nächsten Treffen des Politbüros im Juli ein milliardenschweres Konjunkturpaket auflegt.

Der Weizenpreis kletterte zeitweise um mehr als drei Prozent.

Seit dem Auslaufen des Getreideabkommens greift Russland verstärkt die Schwarzmeerhäfen der Ukraine an. Zwar sei die Kapazität der Flusshäfen ausgebaut worden, sagte Evghenia Sleptsova, Volkswirtin bei Oxford Economics.

Dennoch müsse man damit rechnen, dass die Exportkapazitäten einbrächen, wenn das Abkommen nicht erneuert werde.

SAP MACHT AUFTAKT ZUR BERICHTSSAISON

Bei den Einzelwerten standen die SAP-Aktien im Blick.

Der Softwarekonzern legt am frühen Abend seine Zahlen vor. Wegen mangelnder Wachstumsimpulse rechne er nicht mit positiven Überraschungen, schrieb Analyst Charles Brennan von der Investmentbank Jefferies.

Die SAP-Aktien gehörten mit einem Abschlag von 1,3 Prozent zu den größten Dax-Verlierern.

Bergab ging es auch für die Chip-Werte. Der erste Gewinnrückgang seit vier Jahren bei TSMC trübte die Stimmung in der Branche.

Infineon, ASML, Aixtron und Elmos Semiconductor verloren zeitweise zwischen 1,7 und fünf Prozent. Der europäische Technologie-Index gab 2,5 Prozent nach. Die Chipwerte seien zuletzt ohnehin schon schwach gewesen, sagte ein Börsianer.

Da helfe der Gewinnrückgang bei dem taiwanischen Halbleiterhersteller TSMC nicht gerade.

Um fast ein Viertel nach unten ging es für die Aktien von Electrolux. Der schwedische Haushaltsgerätehersteller rutschte in die roten Zahlen und will sich von Marken trennen, die nicht zum Kerngeschäft zählen.

Zugegriffen haben die Investoren dagegen bei Fresenius, die sich mit einem Plus von 6,4 Prozent an die Dax-Spitze setzten.

Spekulationen auf mögliche Engpässe der Konkurrenz bei inizierbaren Medikamenten trieben die Aktien des Gesundheitskonzerns laut einem Händler nach oben.

In den USA notierten die Kurse uneinheitlich.

Der Umsatz des Streamingdienstes Netflix blieb hinter den Erwartungen zurück, die Papiere verloren 9,1 Prozent. Auch der Elektroautobauer Tesla konnte mit der Ankündigung weiterer Preissenkungen keine Begeisterungsstürme auslösen.

Die Bruttomarge – auf die Experten besonders achten – fiel im zweiten Quartal auf 18,2 Prozent nach 19,3 Prozent im Vorquartal. Das ist der niedrigste Wert in 16 Quartalen. Die Aktien gaben 6,9 Prozent nach.

(Bericht von: Christina Amann und Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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