Frankfurt (Reuters) – Die nachlassende Inflation in der Eurozone lässt den Dax von einem Rekord zum nächsten springen.
Der deutsche Leitindex zog am Montag zunächst um bis zu 0,4 Prozent auf ein Allzeithoch von 16.528,97 Punkten, bevor er die Gewinne wieder abgab und leicht schwächer mit 16.447 Zählern aus dem Handel ging.
Erst am Freitag hatte er seinen bisherigen Höchststand von 16.490 Zählern erreicht. Der EuroStoxx50 stieg am Montag um 0,2 Prozent auf 4476 Zähler.
Der weiter nachlassende Inflationsdruck feuerte die Aussicht auf eine baldige Zinspause an.
Wie erwartet stiegen die Verbraucherpreise in der Euro-Zone im Juli nur noch um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 5,5 Prozent im Juni. “Nach der Verlangsamung der Inflation in Deutschland untermauern die Daten für die Euro-Zone die Aussage der Europäischen Zentralbank, dass sie bei ihrer nächsten Sitzung im September eine Pause bei den Zinserhöhungen in ihrem Kampf gegen die Inflation einlegen könnte”, sagte Michael Hewson, Chefanalyst beim Broker CMC Markets.
Die EZB hatte am Donnerstag zum neunten Mal in Folge die Zinsen erhöht, für ihren Kurs nach der Sommerpause aber die Tür für eine Pause offen gelassen.
Trotz der Flaute in Deutschland ist unterdessen die Wirtschaft der Euro-Zone im zweiten Quartal auf Wachstumskurs zurückgekehrt.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von April bis Juni um 0,3 Prozent zu im Vergleich zum ersten Quartal. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. “Die Märkte sind immer zuversichtlicher, dass wir uns dem Ende des aktuellen Zinserhöhungszyklus nähern und eine sanfte Landung möglich ist”, sagte Joshua Warner, Marktanalyst bei City Index.
Vor diesem Hintergrund tasteten sich auch die US-Anleger vorsichtig weiter voran. Vor anstehenden Firmenbilanzen und Wirtschaftsdaten wagten sie allerding keine großen Sprünge.
VORLAGE AUS CHINA BEFEUERT HOFFNUNG AUF STAATSHILFEN
Unterstützend hätten sich auch die Diskussionen in der deutschen Politik über die Notwendigkeit eines Konjunkturpakets ausgewirkt, sagte CMC-Analyst Jochen Stanzl.
Ähnliche Signale kamen zuletzt aus China. Dort brachte die Regierung Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums im Automobil-, Immobilien- und Dienstleistungssektor auf den Weg. Zudem hatten am Wochenende große Städte wie Peking und Shenzhen ein Unterstützungspaket für Hauskäufer angekündigt.
Die Hoffnung, dass die chinesische Regierung nach den jüngsten schwachen Konjunkturdaten schrittweise weitere unterstützende Maßnahmen einführt, stützte auch die Rohstoffpreise. Industriemetalle wie Kupfer, Zink und Aluminium verteuerten sich jeweils zwischen 1,8 und 2,8 Prozent.
Auch die Preise für die Nordsee-Rohölsorte und die leichte US-Sorte WTI lagen rund ein Prozent im Plus bei 85,53 beziehungsweise 81,57 Dollar pro Barrel.
LICHT UND SCHATTEN BEI FIRMENBILANZEN
Bei den Einzelwerten fielen die vorgelegten Bilanzen allerdings durchwachsen aus.
Heineken schreckte Anleger mit einer Prognosesenkung, nachdem Preiserhöhungen den Absatz belastet und eine Flaute in Vietnam den Gewinn im ersten Halbjahr stärker gedrückt hatten als gedacht. Die Titel brachen mehr als sieben Prozent ein.
Die Papiere von Rivalen wie Carlsberg und AB Inbev verloren in ihrem Sog jeweils knapp drei Prozent.
Dagegen deckten sich Investoren beim italienischen Rüstungskonzern Leonardo ein, nachdem der Konzern zuletzt einen Sprung bei den Aufträgen sowie einen gestiegenen Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr vorgelegt hatte.
Die Titel zogen in Mailand um mehr als drei Prozent an und schoben den italienischen Aktienindex FTSE MIB um rund ein halbes Prozent auf den höchsten Stand seit 15 Jahren.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Birgit Mittwollen.
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