Zulieferer ZF hält trotz Marktabkühlung an Gewinnziel fest

Frankfurt (Reuters) – Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen muss bei einem trüberen Marktumfeld um das angepeilte Gewinnwachstum kämpfen: Im ersten Halbjahr stiegen Umsatz und bereinigtes Betriebsergebnis jeweils um rund zehn Prozent auf 23,3 Milliarden beziehungsweise 941 Millionen Euro, wie der Stiftungskonzern am Mittwoch mitteilte.

Die Umsatzrendite war mit 4,0 Prozent aber nicht so hoch, wie es sich der zweitgrößte deutsche Zulieferer nach Bosch für 2023 vorgenommen hat. Ziel ist eine Marge zwischen 4,7 und 5,2 Prozent bei einem leichtem Umsatzplus auf mehr als 45 Milliarden Euro.

“Auch wenn wir mit dem Finanzergebnis noch nicht zufrieden sind und die kommenden sechs Monate nicht einfach werden, sind wir zuversichtlich, dass wir unsere im Frühjahr vorgestellten Jahresziele erreichen werden”, sagte Finanzchef Michael Frick.

Die weltweite Pkw-Nachfrage kühle sich ab, das Marktumfeld sei herausfordernd, erklärte ZF. In Europa bleibe die erhoffte Stabilisierung der Autokäufe aus. Zugleich steigen mit der Inflation die Kosten, wobei Frick zufolge nicht mehr die Rohstoffe das dominante Thema sind, sondern eine weltweite Welle an Lohnsteigerungen.

Der Stiftungskonzern vom Bodensee will mit Kostensenkungen, Preiserhöhungen und einem sparsamen Bestandsmanagement dagegen halten.

WERKE AUF DEM PRÜFSTAND

Das Unternehmen treibt unterdessen seinen Umbau voran, indem es sich von Randgeschäften trennt und manche Geschäftsfelder verselbstständigt, um externe Kapitalgeber mit an Bord zu nehmen.

So steigt bei der Achsmontage-Sparte ZF Chassis Modules das Unternehmen Foxconn aus Taiwan ein. Auch für das “besonders kapitalintensive” Geschäft mit autonomen Shuttles brauche ZF Finanzpartner, wie Frick bekräftigte.

Am Einsatz interessierte Kommunen zögerten mit Investitionen. “Das Geschäftsmodell braucht Zeit und Weiterentwicklung.”

Für die Airbag-Sparte Passive Sicherheitstechnik geht die im Herbst letzten Jahres angekündigte Investorensuche weiter.

“Wir halten uns dabei alle Optionen offen und streben bei einer möglichen Transaktion ein für den Kapitalmarkt günstiges Zeitfenster an”, sagte Frick. Außer einem Verkauf sei eine Börsennotierung oder eine strategische Weiterentwicklung mit einem Partner denkbar.

Die Division hat rund 35.000 Beschäftigte, davon ein Zehntel in Deutschland. Vorstandschef Holger Klein hatte vergangene Woche in einem Reuters-Interview dazu gesagt, er rechne erst 2024 mit nächsten Schritten.

Ursprünglich peilte ZF einen Abschluss bis Ende 2023 an.

Auf dem Prüfstand stehen wegen hohen Konkurrenzdrucks und des Umschwungs zu Elektromobilität immer wieder Standorte des Unternehmens, das knapp 165.000 Mitarbeitende beschäftigt.

Frick schloss nicht aus, dass es zu Schließungen in Deutschland kommen kann, wo mit 82 fast die Hälfte der 168 Standorte weltweit angesiedelt ist. Das betreffe nicht nur Teile für den Verbrennermotor, sondern alle Komponenten.

(Bericht von Ilona Wissenbach; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

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