Geschäftsklima in Chemieindustrie steigt – “Talfahrt unterbrochen”

Berlin (Reuters) – Die exportstarke deutsche Chemieindustrie hat ihren Abwärtstrend im Juli gebremst.

Das Barometer für das Geschäftsklima stieg um 3,1 auf minus 25,0 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte.

“Zwar ist die rasante Talfahrt in der Chemie vorerst unterbrochen, eine baldige Erholung ist aber leider nicht in Sicht”, sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden Monate werden von der Branche sehr negativ bewertet.

Eine schwache Nachfrage und hohe Produktionskosten beuteln die deutsche Chemieindustrie.

Der Branchenverband VCI erwartet für 2023 einen Rückgang der chemisch-pharmazeutischen Produktion von acht Prozent, ohne das Pharmageschäft könnte sogar ein Minus von elf Prozent zu Buche stehen. Der Branchenumsatz dürfte um 14 Prozent zurückgehen.

“Die Lage am Standort Deutschland ist ernst”, warnte VCI-Präsident Markus Steilemann kürzlich. “Anders als im Frühjahr erhofft, ist die Talsohle noch nicht durchschritten, die Nachfrage nach Chemikalien nimmt ab.” Die erwarteten Wachstumsimpulse aus wichtigen Märkten wie China und den USA blieben aus.

Die Energiepreise seien zwar gesunken, lägen aber immer noch deutlich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine.

Schlechter als im Juni beurteilten die Unternehmen die Nachfrage nach chemischen Produkten: Dieser Indikator fiel auf minus 21,5 Punkte nach minus 16,7 im Juni.

Die Urteile zum Auftragsbestand fielen auf minus 54,6 Punkte und somit auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise. Auch die Produktionspläne gingen stark zurück. “Nicht nur die stark gestiegenen Energiepreise zwingen die Chemieindustrie, ihre Produktion zu drosseln.

Es ist auch die Abschwächung der globalen Nachfrage”, sagte Ifo-Expertin Wolf. Eine der wenigen positiven Entwicklungen stelle die Versorgung mit Vorprodukten dar: Nur noch 7,6 Prozent der Unternehmen meldeten Engpässe.

(Bericht von Rene Wagner.

Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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