US-Jobdaten hieven Dax ins Plus – Dollar fällt

Frankfurt (Reuters) – Wegen nachlassender Spekulationen auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed haben einige Anleger am Freitag bei europäischen Aktien wieder zugegriffen.

Da aber die erhofften klaren Signale ausblieben, scheuten sie vor größeren Käufen zurück.

Dax und EuroStoxx50 lagen am Abend jeweils etwa ein halbes Prozent im Plus bei 15.951,86 beziehungsweise 4335,41 Punkten. An der Wall Street legte der US-Standardwerteindex Dow Jones ähnlich stark zu.

Außerhalb der US-Landwirtschaft wurden im Juli 187.000 neue Stellen geschaffen. Analysten hatten mit einem Plus von 200.000 gerechnet. “Das passt ins Bild der erwarteten ‘weichen Landung’ der Konjunktur”, sagte Randy Frederick, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab.

Er halte es daher für sehr unwahrscheinlich, dass die Fed die Zinsen bei ihrer Sitzung im September erneut anhebt.

LÄSST DER PREISDRUCK AUSREICHEND SCHNELL NACH?

In diese Richtung deutete auch die Kursentwicklung am Devisenmarkt.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, drehte nach den Zahlen ins Minus und verlor 0,6 Prozent auf 101,8 Punkte. Gleichzeitig griffen Investoren wieder verstärkt zu US-Anleihen.

Dies drückte die Rendite der zweijährigen Bonds, die üblicherweise besonders sensibel auf veränderte Zinserwartungen reagieren, auf 4,812 Prozent. Ihre deutschen Pendants rentierten bei 3,181 Prozent.

Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital, warnte allerdings, dass der Anstieg der Löhne zu hoch sei, um das Fed-Inflationsziel zu erreichen. Daher richteten sich die Augen nun Teuerungsdaten in der kommenden Woche.

Sollten sie auf einen nachlassenden Preisdruck hindeuten, werde die nächste Zinsentscheidung vom US-Arbeitsmarktbericht Anfang September abhängen. Experten erwarten für Juli eine unveränderte Inflationsrate von 4,8 Prozent im Jahresvergleich.

LICHT UND SCHATTEN IN DER BILANZSAISON

Auf Unternehmensseite bot die Bilanzsaison kaum Impulse, da sie ein gemischtes Bild lieferte. So gaben die Aktien der Commerzbank um 2,6 Prozent nach, obwohl das Geldhaus einen überraschend deutlichen Gewinnsprung bekanntgab und einen Aktienrückkauf in Aussicht stellte.

Dass Letzterer aber auf die gesamte Ausschüttungsquote angerechnet werden solle, sorge bei Investoren für Frustration, schrieb DZ Bank-Analyst Timo Dums.

Apple konnte mit einem besser als erwartet ausgefallenem Quartalsumsatz ebenfalls nicht punkten.

Hier verdarb der schwächelnde Absatz des Kernprodukts iPhone Investoren die Laune. Er überschattete das überraschend starke Abschneiden der Dienstleistungssparte. “Apple muss das Wachstum der Hardwareverkäufe wieder ankurbeln”, sagte Analyst Dan Coatsworth vom Brokerhaus AJ Bell.

Sonst wüchsen die Zweifel, dass sich eine neue Kundengeneration dem Ökosystem des Elektronikkonzerns anschließen werde. Apple-Titel büßten an der Wall Street 3,1 Prozent ein.

Die Papiere von Amazon steuerten dagegen dank überraschend starker Geschäftszahlen mit einem Plus von zeitweise mehr als elf Prozent auf den größten Tagesgewinn seit einem Dreivierteljahr zu.

“Wenn man sich die Zahlen anschaut, wird Eines klar: Die Furcht vor einer tiefen US-Rezession ist völlig unbegründet”, sagte Naeem Aslam, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Zaye. Sonst hätte der Online-Händler nicht so überragende Ergebnisse vorlegen können.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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