Luxusimmobilien-Entwickler Euroboden meldet Insolvenz an

München (Reuters) – Der Luxusimmobilien-Entwickler Euroboden ist das nächste Opfer der Immobilienkrise. Die Geschäftsführer des Unternehmens aus dem Münchner Nobel-Vorort Grünwald hätten am Freitag Insolvenz angemeldet, teilte Euroboden mit.

Der Notverkauf mehrerer Grundstücke, der einen zweistelligen Millionenbetrag hätte einbringen sollen, sei gescheitert oder unwahrscheinlich geworden, begründete das Unternehmen den Insolvenzantrag.

Den Zeichnern zweier Anleihen im Volumen von zusammen 115 Millionen Euro drohen damit massive Verluste. Zuvor hatten der Düsseldorfer Projektentwickler Development Partner und die Centrum Group Insolvenzantrag gestellt.

Die 1999 gegründete Euroboden hatte eine Verlängerung der bis 2024 und 2025 laufenden Anleihen um jeweils drei Jahre und eine Reduzierung des Zinssatzes von 5,5 auf 2,5 Prozent vorgeschlagen und einen Verkauf der meisten Grundstücke in den nächsten zwei bis vier Jahren angekündigt.

Die Gläubigerversammlungen seien abgesagt, erklärte Euroboden nun.

“Das Marktumfeld hat sich drastisch verschlechtert”, sagte Geschäftsführer Martin Moll Ende Juli. Die Bauzinsen seien wegen der Inflation massiv gestiegen, was zu einem Nachfrageeinbruch für die laufenden Projekte geführt habe und die Finanzierungskosten erhöhe.

Die gestiegenen Baukosten drückten auf die Margen. Wertberichtigungen auf die Projekte hätten das Eigenkapital per Ende März auf 43,4 Millionen Euro reduziert, durch weitere Abschreibungen drohe es bis zum Ende des Geschäftsjahres (Ende September) ganz aufgezehrt zu werden.

Nur drei bereits im Bau befindliche Projekte in der Nähe der Münchner Messe, in der Gemeinde Berg am Starnberger See und in Berlin sollten weiterbetrieben werden.

Gegen die Anleihenrestrukturierung hatte sich schon vorher Widerstand geregt.

Die Restrukturierungsberater von One Square Advisory, die Anwaltskanzlei Heuking Kühn und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kritisierten die Pläne als nachteilig für die Anleihegläubiger.

Die Eigentümer seien dagegen nicht zu Zugeständnissen bereit. “Aus Sicht der SdK ist auch fraglich, wieso die Gesellschaft komplett von ihrem Geschäftsmodell Abstand nimmt und quasi in einen Abwicklungszustand übergeht”, hieß es in einer Mitteilung.

Auch künftig werde man Immobilienentwickler brauchen.

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

tagreuters.com2023binary_LYNXMPEJ7A0KU-VIEWIMAGE

Close Bitnami banner
Bitnami