Exportgeschäft dürfte 2023 stagnieren – Viele Großhändler pessimistisch

Berlin (Reuters) – Die Stimmung bei den deutschen Großhändlern ist Verbandsangaben zufolge besorgniserregend schlecht.

In einer Umfrage von Juli und August unter 530 Unternehmen hätten 63 Prozent der befragten Firmen angegeben, für den Außenhandel 2023 eine rückläufige oder sogar stark rückläufige Tendenz zu sehen.

Nur sechs Prozent rechnen mit einer besseren oder wesentlich besseren Entwicklung. 31 Prozent erwarten keine Veränderung. “Das sind alarmierende Werte”, sagte der Präsident des Großhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura, am Mittwoch zu Journalisten.

Die Werte seien deutlich negativer als im Vorjahr.

In absoluten Zahlen werde der Außenhandel in diesem Jahr bestenfalls stagnieren, so Jandura. Nächstes Jahr sei noch schwer abzuschätzen, mindestens das erste Quartal werde aber auch schwierig.

“Uns fehlen im Moment die Impulse.” Aktuell hinterlasse die schwache Konjunktur in China, Asien und Südamerika Spuren. Der BGA kritisierte zudem eine noch immer zu starke Bürokratie in Deutschland.

“Unser Standort ist in verschiedenen Bereichen derzeit nicht wettbewerbsfähig genug. Und unsere Politik ist es auch nicht.”

Der Verband pochte zudem auf eine pragmatischere Handelspolitik, um die exportabhängige Wirtschaft nicht zu bremsen.

Es sei hier zu lange nichts passiert. “In Brüssel fehlt eine gewichtige deutsche Stimme für den Freihandel.” Die EU-Kommission ist federführend bei Handelsabkommen. Das geplante Freihandelsabkommen mit vier südamerikanischen Staaten (Mercosur) sei nach Jahren noch immer nicht ratifiziert, eine Modernisierung der Vereinbarung mit Mexiko stehe noch aus.

Deutschland warte immer wieder mit neuen Forderungen in Verhandlungen auf. Die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP dürfe Gespräche aber nicht überfrachten. “Dies gilt insbesondere für Nachhaltigkeitsforderungen.” Deutsche Sozial- und Umweltstandards könnten nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen werden.

Der Fokus müsse darauf liegen, Waren und Dienstleistungen auszutauschen – und nicht mehr.

(Bericht von Christian Krämer, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

tagreuters.com2023binary_LYNXMPEJ8509D-VIEWIMAGE

Close Bitnami banner
Bitnami