Zunächst keine EU-Mehrheit für weitere Glyphosat-Zulassung

Brüssel (Reuters) – Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich noch nicht über eine verlängerte Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat einigen können.

Bei einer Abstimmung am Freitag gab es weder eine qualifizierte Mehrheit für noch gegen eine Verlängerung der Zulassung, die noch bis zum 15.

Dezember läuft. Die Mitgliedsstaaten wollen nun in der ersten November-Hälfte einen weiteren Anlauf für einen Beschluss nehmen. Gelingt das nicht, ist die EU-Kommission am Zug. Sie hatte bereits eine Verlängerung der Zulassung um weitere zehn Jahre vorgeschlagen.

Glyphosat-Hersteller Bayer erklärte, der Konzern bleibe zuversichtlich, “dass im nächsten Schritt des Genehmigungsprozesses genügend weitere Mitgliedsstaaten die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Erneuerung der Genehmigung von Glyphosat unterstützen werden”.

Bayer sei weiter von der Sicherheit des Mittels überzeugt. Die Grünen im Europäischen Parlament werteten die Abstimmung dagegen als Etappensieg auf dem Weg zu einem Verbot. Deutschland hatte sich bei der Abstimmung Umweltorganisationen zufolge enthalten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisierte dies – denn im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sei ein Vermarktungsstopp für den Unkrautvernichter ab 2024 vorgesehen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte im Juli eine erneute Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters in der Europäischen Union als unkritisch bewertet.

Um den Vorschlag der EU-Kommission bei der Abstimmung der 27 Mitgliedsstaaten zu unterstützen oder zu blockieren, war eine sogenannte qualifizierte Mehrheit von 15 Mitgliedern, die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung vertreten, erforderlich.

Glyphosat zählt zu den weltweit am meisten eingesetzten Herbiziden und wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den Bayer 2017 übernahm. Für den Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern sind seine glyphosathaltigen Roundup-Unkrautvernichter ein bedeutender Umsatzbringer.

Mit dem Monsanto-Zukauf holte sich Bayer allerdings auch eine Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids ins Haus. Behörden weltweit, darunter die US-Umweltbehörde EPA und die Europäische Chemikalienagentur, haben Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft.

Die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO bewertete den Wirkstoff 2015 als “wahrscheinlich krebserregend”. Auch andere Konzerne produzieren das Breitbandherbizid, das gegen jegliche Grünpflanzen wirkt.

(Bericht von Philip Blenkinsop, Marine Strauss und Patricia Weiß, bearbeitet von Matthias Inverardi, redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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