Nahost- und Zins-Sorgen lassen Anleger nicht los

Frankfurt (Reuters) – Sorgen wegen der Entwicklungen in Nahost sowie Unsicherheit über den Zinskurs der US-Notenbank Fed lassen die Anleger nicht los.

Der deutsche Leitindex Dax rutschte am Donnerstag zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 15.000 Punkten.

Am Nachmittag pendelte er sich bei einem Minus von 0,3 Prozent auf 15.055 Zähler ein. Sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, verlor genauso viel auf 4093 Zähler. Die wichtigsten US-Indizes traten kurz nach der Eröffnung mehr oder weniger auf der Stelle.

“Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der Fed sind das eine, die Angst vor einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten das andere”, sagte Jürgen Molnar, Stratege vom Broker RoboMarkets.

“Diese Kombination treibt die Anleger in Sicherheit, allein der Blick auf den Goldpreis spricht eine eindeutige Sprache.” Das als sicherer Hafen geltende Edelmetall hat sich seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7.

Oktober mehr als sechs Prozent verteuert, am Donnerstag lag der Goldpreis 0,4 Prozent höher bei 1955 Dollar je Feinunze.

ÖLPREISE GEHEN AUF TALFAHRT

Die Nervosität war auch am Ölmarkt zu spüren.

Zwar ist der durch die anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und radikalen Palästinensern getriebene Preisanstieg zum Erliegen gekommen. “Aber der Markt steht aufgrund der geopolitischen Spannungen immer noch unter Aufwärtsdruck”, ergänzte Tina Teng, Analystin bei CMC Markets.

Die Angst vor Versorgungsengpässen hatte die Öl-Preise am Mittwoch um mehr als zwei Prozent in die Höhe getrieben. Am Donnerstag verbilligten sich die Nordsee-Ölsorte Brent und die leichte US-Sorte WTI um jeweils knapp ein Prozent auf 90,69 beziehungsweise 87,61 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Am Bondmarkt kehrten die Anleger angesichts der Aussicht auf weiter hoch bleibende Zinsen Staatsanleihen den Rücken.

Die Kurse fielen, im Gegenzug ging es bei den Renditen weiter aufwärts. Die zehnjährigen US-Treasuries rentierten mit 4,936 Prozent nach 4,902 Prozent am Mittwoch. Mit Spannung warten Börsianer nun auf eine Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell beim New Yorker Wirtschaftsclub am Abend (18.00 Uhr MESZ), von der sie sich neue Hinweise für die künftige US-Zinspolitik erhoffen.

Einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge wird die Fed die Zinssätze bei ihrer Sitzung am 1. November unverändert lassen.

BILANZSAISON IM RAMPENLICHT

Auf der Unternehmensseite konnten – trotz des insgesamt schwachen Gesamtmarktes – einige Werte mit deutlichen Kursausschlägen punkten.

Sartorius schoss im Dax um bis zu acht Prozent nach oben. Der Labor- und Pharmazulieferer zeigte sich trotz eines Gewinneinbruchs in den ersten neun Monaten und der deutlichen Senkung seiner Jahresziele zuversichtlich für 2024.

Seit der gekappten Prognose vergangenen Freitag hatten die Papiere mehr als 18 Prozent an Wert eingebüßt.

Mit zu den größten Gewinnern zählten auch die SAP-Aktien, die um 4,6 Prozent zulegten.

Europas größtes Softwarehaus konnte dank strenger Kostenkontrolle seinen operativen Gewinn im dritten Quartal überraschend stark steigern. Bei Merck soll es nach der 2023 erwarteten Wachstumsdelle im kommenden Jahr wieder aufwärtsgehen.

Die Anleger honorierten den Optimismus anlässlich des Kapitalmarkttages und trieben die Aktien des Pharma- und Technologiekonzerns um 3,3 Prozent in die Höhe.

An der Pariser Börse ging es für Renault um knapp sieben Prozent bergab.

Der Umsatz des Autobauers stieg im dritten Quartal um 7,6 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Händlern zufolge hatte der Markt im Schnitt mit 10,6 Milliarden Euro gerechnet. Bei Tesla verprellte die rückläufige Gewinnmarge die Investoren.

Der US-Elektroautohersteller bekommt den selbst angezettelten Preiskrieg zu spüren. Die Tesla-Titel verloren an der Wall Street 5,8 Prozent. Der europäische Autoindex notierte 2,2 Prozent schwächer.

(Bericht von Daniela Pegna, Anika Ross und Zuzanna Szymanska.

Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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