Talfahrt an Börsen beschleunigt sich – Dax unter 15.000

Frankfurt (Reuters) – Die Angst vor einer weiteren Eskalation der Nahost-Krise hat die Talfahrt an den europäischen Börsen am Freitag beschleunigt.

Der Dax rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 15.000 Punkten und steuerte auf einen Wochenverlust von mehr als zwei Prozent zu.

“Solange der Krieg im Nahen Osten tobt und die Gefahr des Eingriffes weiterer Staaten nicht ausgeschlossen werden kann, werden sich Investoren mit Aktien nicht die Finger verbrennen wollen”, fasste Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege von RoboMarkets zusammen.

Der deutsche Leitindex verlor bis zum Nachmittag 1,4 Prozent auf 14.835 Zähler und markierte damit den tiefsten Stand seit Ende März. Der EuroStoxx50 notierte 1,2 Prozent schwächer. Auch an der Wall Street lagen die Futures vorbörslich im Minus.

Anleger fürchten, dass sich der Konflikt zwischen Israel und der Hamas zu einem Flächenbrand ausbreiten könnte. Israel hat mit Luftangriffen und einer Abriegelung des Gazastreifens auf den überraschenden Großangriff der Hamas vor knapp zwei Wochen reagiert.

Zuletzt verdichteten sich Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Bodenoffensive. Ägypten lud nun kurzfristig für Samstag zu einem Friedensgipfel ein, an dem auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock teilnehmen soll.

Öl ERNEUT TEURER – BONDRENDITEN BLEIBEN HOCH

Entsprechend angespannt blieb die Lage am Ölmarkt, wo sich die Nordseesorte Brent und US-Öl WTI je um rund ein Prozent auf 93,20 und 90,28 Dollar je Barrel verteuerten.

Seit dem Überfall der Hamas sind die Öl-Preise um rund zehn Prozent in die Höhe geschossen, da Investoren bei einer weiteren Eskalation Versorgungsengpässe fürchten. “Die Krise hat über die steigenden Energiepreise das Potenzial, die Inflation wieder anzuheizen und so die Notenbanken von den sehnlich für 2024 erwarteten und für eine rezessionsempfängliche Weltwirtschaft dringend benötigten Zinssenkungen abzuhalten”, sagte Molnar.

Dazu passten auch jüngste Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell.

“Jeder, der erwartet hatte, dass er angesichts des jüngsten Anstiegs der Renditen einen weniger restriktiven Ton anschlagen würde, musste eine Enttäuschung erleben”, sagte Michael Hewson, Marktanalyst bei CMC Markets.

An den Anleihemärkten kratzten die Renditen der zehnjährigen US-Bonds an der Fünf-Prozent-Marke und erreichten damit ein frisches 16-Jahreshoch. Die Verzinsung der Bundesanleihen lag mit 2,933 Prozent in Reichweite ihres am Donnerstag erreichten Zwei-Wochen-Hochs.

DÜRR STÜRZEN AB – AUFGABE DES MARGENZIELS

Größter Dax-Verlierer waren Sartorius mit einem Minus von mehr als sechs Prozent.

Der Labor- und Pharmazulieferer hatte am Donnerstag seine Neun-Monats-Zahlen vorgelegt – im Zuge dessen hatten die Titel bis zu neun Prozent gewonnen.

Im MDax flogen die Aktien von Dürr in hohem Bogen aus den Depots, nachdem der Maschinen- und Anlagenbauer sein Margenziel für das kommende Jahr kassierte.

Die Titel fielen um bis zu 21,6 Prozent auf 18,54 Euro und markierten damit den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Einen rabenschwarzen Tag erlebten auch SMA Solar, die um mehr als 18 Prozent auf ein Elf-Monats-Tief absackten.

Mit Enttäuschung aufgenommene Quartalszahlen des US-Unternehmens SolarEdge machten dem Solartechnikkonzern zu schaffen.

An der Pariser Börse ging es für L’Oreal zeitweise um fast vier Prozent bergab.

Umsatzzahlen unter den Erwartungen in Nordasien vergraulten die Anleger des Kosmetikriesen. In Mailand wendeten sich die Investoren nach einem Umsatzeinbruch von Salvatore Ferragamo ab. Die Aktien des italienischen Modeunternehmens sackten um bis zu 6,5 Prozent ab und markierten bei 11,14 Euro ein Drei-Monats-Tief.

(Bericht von Anika Ross, Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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