Handel erwartet maues Weihnachtsgeschäft – reales Minus von 5,5 Prozent

Berlin (Reuters) – Das traditionell so wichtige Weihnachtsgeschäft könnte im deutschen Einzelhandel dieses Jahr für lange Gesichter sorgen.

In Zeiten von Konjunkturflaute und Inflation erwartet der Branchenverband HDE für die Monate November und Dezember nur 120,8 Milliarden Euro Umsatz und damit ein nominales Plus von 1,5 Prozent in der Kasse.

Klammere man gestiegene Preise aus, sei dies real ein Minus von 5,5 Prozent, teilte der HDE am Montag mit. “Die Branche bekommt die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Krieges und der darauf folgenden Inflation sowie seit neuestem auch die in Folge des Nahost-Konflikts weiter sinkende Kauflaune zu spüren”, sagte HDE-Präsident Alexander von Preen.

Wegen des festgefahrenen Tarifkonflikts sorgen sich die Unternehmen auch um Streiks in den kommenden Wochen.

Für viele Branchen ist das Weihnachtsgeschäft immens wichtig. So macht der Spielwarenhandel im November und Dezember fast ein Viertel seines gesamten Jahresumsatzes.

Buchläden und der Bereich Uhren und Schmuck kommen auf fast 24 Prozent. Vor allem der Nicht-Lebensmittelhandel blickt ernüchtert nach vorn: Gut die Hälfte dieser Firmen rechnet mit schlechten oder deutlich schlechteren Umsätzen als vor einem Jahr.

31 Prozent der Nicht-Lebensmittelhändler bewerten laut HDE-Umfrage ihre Geschäftslage als schlecht oder sehr schlecht.

Auch der Online-Handel dürfte kaum Impulse liefern. Sowohl im Weihnachtsgeschäft als auch im Gesamtjahr können hier die Umsätze von 2022 laut HDE nominal gehalten werden, real bedeutet dies für das Weihnachtsgeschäft ein Minus von vier Prozent.

Für 2023 entspreche dies online einem realen Minus von 4,3 Prozent. Für den Einzelhandel insgesamt – Ladengeschäfte und E-Commerce – bleibt der Verband bei seiner Herbstprognose. Die Umsätze dürften demnach nominal um 3,0 Prozent auf 650 Milliarden Euro steigen, preisbereinigt aber um vier Prozent sinken.

DEUTSCHE GEBEN IM SCHNITT 295 EURO FÜR GESCHENKE AUS

Für das nächste Jahr setzt der HDE im Zuge einer allgemein anziehenden Konjunktur zwar auf Besserung.

Eine konkrete Prognose dazu soll es aber erst Anfang 2024 geben. Von Preen sprach noch von einem Blick in die “Glaskugel”. Er hoffe aber, dass die Menschen dann wieder stärker in langlebige Konsumgüter investierten.

Denn die Deutschen hätten in Corona- und Home-Office-Zeiten anfangs spürbar mehr Geld für Möbel und Küchen ausgegeben. Danach seien diese Umsätze aber deutlich zurückgegangen. Hier setze der Handel auf eine Trendwende.

Neben der mauen Kauflaune könnten auch Streiks das Weihnachtsgeschäft belasten.

Denn die Tarifverhandlungen für die 3,2 Millionen Beschäftigten sind festgefahren. Der HDE hatte angekündigt, mit einem Spitzengespräch die Verhandlungen auf Landesebene vorantreiben zu wollen. Die Gewerkschaft Verdi reagierte empört und rief zu weiteren Arbeitskämpfen auf.

“Wer Verhandlungen absagt, provoziert Streiks im Weihnachtsgeschäft”, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer jüngst. HDE-Hauptgeschäftführer Stefan Genth betonte, das vom Verband nachgebesserte Angebot sorge nicht für Reallohnverluste.

Nun sei Verdi am Zug, die Arbeitgeber seien jederzeit bereit für ein Spitzengespräch.

In der seit Jahren umstrittenen Frage von Ladenöffnungszeiten am Sonntag setzt der HDE auf einen klaren Rechtsrahmen durch Urteile von Gerichten.

Denn das Thema sei Ländersache und es gebe viele Klagen von Verdi, sagte Genth.

Trotz drohender Rezession planen die Verbraucher laut Umfrage des HRI-Instituts im Durchschnitt 295 Euro für Weihnachtsgeschenke ein.

Dabei will über ein Viertel der gut 2000 befragten Deutschen mehr als 300 Euro ausgeben. Im Vergleich zum Vorjahr plant mehr als die Hälfte ihr Budget für Weihnachtspräsente stabil zu halten oder sogar auszubauen.

Die meistgekauften Geschenke bleiben Gutscheine, vor Spielwaren sowie Büchern und Schreibwaren.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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