Streik bei der Bahn wirkt sich bis Freitag aus

Berlin (Reuters) – Der Bahn-Streik der Lokführergewerkschaft (GDL) wird Reisende bis in den Freitag hinein treffen.

Der Notfahrplan mit rund 20 Prozent des normalen Fernverkehrs werde bis zum späten Donnerstagabend gelten, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß.

“Unsere ganze Priorität liegt darauf, morgen an diesem wichtigen Freitag, den Verkehr wieder in Gang zu bringen”, betonte er mit Blick auf den Wochenendverkehr. Man fahre zwar mit besonders langen ICEs, aber da nur jeder fünfte Zug unterwegs sei, gebe es nicht Platz für alle.

Er riet daher erneut dazu, Reisen möglichst zu verschieben. Auch der Güterverkehr sei hart getroffen. Hunderte Züge mit teils zeitkritischen Waren stauten sich. Dies wolle man mit Sonderschichten schnell wieder auflösen.

Die GDL verlieh unterdessen ihren Forderungen mit Demonstrationen in Schwerin und Berlin Nachdruck.

Der Nahverkehr ist etwas weniger beeinträchtigt, da Bahn-Konkurrenten nicht direkt vom Streik betroffen sind.

Die Wettbewerber haben einen Marktanteil hier von etwa einem Drittel. Dennoch fahre in manchen Regionen gar kein Zug, sagte Stauß.

Der Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der GDL war bereits kurz nach der ersten Verhandlungsrunde eskaliert.

Eigentlich waren für Donnerstag und Freitag weitere Gespräche zwischen den Tarifpartnern vereinbart. Nachdem die GDL jedoch am Dienstagabend einen zwanzigstündigen Warnstreik von Mittwochabend bis Donnerstag 18:00 Uhr ankündigte, sagte die Bahn die Gespräche ab.

“Entweder man streikt oder man verhandelt. Beides zugleich geht nicht”, hatte Personalvorstand Martin Seiler erklärt. GDL-Chef Claus Weselsky wiederum wirft der Bahn vor, sie sei nicht bereit, auf Kernforderungen wie eine Arbeitszeitverkürzung einzugehen.

Die GDL reagierte auf die Gesprächs-Absage parallel zum Streik mit Demonstrationen in Schwerin sowie am geplanten Verhandlungsort in Berlin. GDL-Vize-Chef Mario Reiß machte vor gut 100 Demonstranten in Berlin deutlich, dass die GDL hart bleiben werde und es legitim sei, mit Warnstreiks Druck aufzubauen.

“Wir sind uns der Verantwortung bewusst und nehmen dieses Mittel natürlich als letztes”, sagte Reiß zu Reuters TV. Eine Lösung in Verhandlungen bleibe das Ziel. Wenn der Bahnvorstand Termine aber nicht wahrnehme, sei das Arbeitsverweigerung und unüblich, kritisierte Reiß.

Offen ist, ob weitere vereinbarte Verhandlungstermine in den kommenden Wochen von den Tarifparteien eingehalten werden. Die GDL verlangt unter anderem 555 Euro monatlich mehr Geld. Zudem soll die Arbeitszeit für Schichtarbeiter ohne Lohnkürzung auf 35 von 38 Stunden die Woche gesenkt werden.

Daneben wird einmalig die steuerfreie Inflationsprämie von 3000 Euro gefordert. Die Laufzeit des Tarifabschlusses soll zwölf Monate nicht übersteigen. Die Bahn lehnt die Forderungen als zu hoch ab.

Sie würden in Summe ein Volumen von 50 Prozent mehr bedeuten. Sie hatte Lohnerhöhungen von elf Prozent über 32 Monate angeboten.

(Bericht: Markus Wacket, Reuters TV; redigiert von Christian Rüttger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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