Europas Anleger vor Fed-Protokollen in Lauerstellung

Frankfurt (Reuters) – In Erwartung neuer Zinssignale haben die Investoren in Europa am Dienstag die Füße stillgehalten.

“Die große Frage, die sich den Anlegern stellt, lautet: Stehen die Aktienmärkte nach einer dreiwöchigen Rallye vor einer Korrektur oder ist die derzeitige Konsolidierung nur eine Verschnaufpause vor dem Erreichen neuer Höchststände?”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Broker ActivTrades.

Der EuroStoxx50 sackte um 0,2 Prozent ab, der Dax trat bei rund 15.900 Punkten quasi auf der Stelle. Massive Kursverluste bei Bayer hatten dem deutschen Leitindex zum Wochenstart beim Angriff auf die psychologisch wichtigen Marke von 16.000 Punkten ausgebremst.

Den Anlegern könnte auch bald bewusst werden, dass die vom Bundesfinanzministerium verhängte Haushaltssperre negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland nach sich ziehen dürfte, sagte Frank Sohlleder, Marktanalyst bei ActivTrades.

An der Wall Street lagen die Indizes zum Handelsschluss in Europa bis zu 0,9 Prozent im Minus.

Neue Impulse könnten die am Abend veröffentlichten Mitschriften der jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank liefern, bei der die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell das zweite Mal in Folge eine Zinspause eingelegt hatten.

“Die Meinung, die am Markt vorherrscht, ist, dass die Fed den Kampf gegen die Inflation gewonnen hat und dass der Markt trotz der Äußerungen von Powell und seinen Kollegen, dass eine weitere Zinserhöhung immer noch auf dem Tisch liegt, nicht mehr wirklich an diese Botschaft glaubt”, sagte Stuart Cole, Chef-Makroökonom bei Equiti Capital.

ÖLPREISE GEBEN NACH

An den Terminmärkten wird bereits über Zinssenkungen ab dem Frühjahr spekuliert. Angesichts dessen sank der Dollar-Index um bis zu 0,3 Prozent auf 103,17 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert sei fast drei Monaten.

Im Anschluss machte er seine Verluste jedoch wieder wett und notierte unverändert. Auch der Abwärtstrend bei den Anleiherenditen kehrte sich im Handelsverluf wieder um. Die zehnjährige Bundesanleihe wurde zuletzt mit 2,563 Prozent nach 2,557 Prozent am Vortag verzinst.

Am Rohölmarkt stoppten die Ölpreise ihren jüngsten Höhenflug.

Die Nordsee-Sorte Brent und US-Öl WTI verbilligten sich jeweils um rund 0,8 Prozent auf 81,79 beziehungsweise 77,24 Dollar je Fass. Spekulationen auf Produktionskürzungen durch die Förderstaatengruppe Opec+ hatten zum Wochenstart die Ölpreise angetrieben.

RHEINMETALL PUNKTET – GEWINNMITNAHMEN BEI SIEMENS ENERGY

Rheinmetall setzte sich mit einem Aufschlag von 3,7 Prozent an die Dax-Spitze, nachdem der Rüstungskonzern steigende Umsätze und Gewinne in Aussicht gestellt hat.

Am Dax-Ende fanden sich Siemens Energy mit einem Abschlag von 7,9 Prozent wieder. Händlern zufolge machten Investoren Kasse, nachdem der Kapitalmarkttag keine neuen Erkenntnisse gebracht habe.

Teamviewer hielten mit einem Kursverlust von 12,4 Prozent die rote Laterne im MDax.

Finanzinvestor Permira hat sich von knapp einem Drittel seines verbliebenen Aktienpakets an der Software-Firma getrennt. In Mailand geriet die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) nach einem Teilausstieg des Staates unter die Räder.

Die Titel gaben 7,5 Prozent nach.

Das Biotechunternehmen Morphosys konnte seine Anleger mit den mit Spannung erwarteten Studiendaten zu seinem Medikamentenhoffnungsträger Pelabresib nicht überzeugen.

Die Aktien brachen im SDax um 21,3 Prozent auf 16,86 Euro ein.

(Bericht von Anika Ross, Stefanie Geiger, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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