Ausfuhren sinken 2023 – “Gebrauchtes Jahr für Exporteure”

Berlin (Reuters) – Starke Teuerung, hohe Zinsen, internationale Krisen: Die deutschen Exporte sind 2023 wegen der unter zahlreichen Belastungen ächzenden Weltkonjunktur gesunken.

Sie fielen um 1,4 Prozent im Vergleich zu 2022 auf 1562,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Wegen Nachholeffekten nach dem ersten Nachfrageschock durch die Corona-Krise hatte es 2022 und 2021 noch kräftige Zuwächse von 15,7 und 14,0 Prozent gegeben.

“2023 war ein gebrauchtes Jahr für die deutsche Exportwirtschaft” sagte die Außenwirtschaftsexpertin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Carolin Herweg.

“Nach der Finanzkrise 2009 und der Corona-Krise 2020 ist es das schwächste Ergebnis seit drei Jahrzehnten.” Die Importe nahmen angesichts der schwachen Binnenkonjunktur noch stärker ab: Sie fielen um 9,7 Prozent auf 1352,5 Milliarden Euro.

Daraus ergibt sich ein Exportüberschuss von fast 210 Milliarden Euro.

Hohe Inflationsraten, ein gestiegenes Zinsniveau sowie geopolitische Risiken dämpften die Nachfrage nach Waren “Made in Germany”.

Die im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen dürften auch in diesem Jahr unter Druck bleiben. “Hohe Energiepreise und hiesige Bürokratiebelastungen drücken die Stimmung der exportierenden Unternehmen in den kommenden Monaten”, warnte Herweg.

“Hinzu kommt die weiterhin angespannte Sicherheitslage im Roten Meer, die zahlreiche Reedereien seit Mitte Dezember zur Meidung der auch für Deutschland wichtigen Handelsroute veranlasst.”

SCHWACHER DEZEMBER

Zuletzt ging es überraschend stark bergab: Im Dezember brachen die Warenexporte um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 125,3 Milliarden Euro ein – der größte Rückgang seit einem Jahr.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 2,0 Prozent gerechnet, nachdem es im November noch ein kräftiges Plus von 3,5 Prozent gegeben hatte. Die Importe sanken im Dezember sogar um 6,7 Prozent auf 103,1 Milliarden Euro, auch das ist das größte Minus seit einem Jahr.

“Dies bestätigt uns in der Annahme, dass die deutsche Wirtschaft auch im laufenden Jahr schrumpfen dürfte”, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Schon 2023 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent gesunken.

Die Exporte in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) nahmen im Dezember um 5,5 Prozent auf 67,5 Milliarden Euro ab.

Die meisten deutschen Ausfuhren gingen am Jahresende erneut in die Vereinigten Staaten, auch wenn sie um 5,5 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro sanken. Das China-Geschäft schrumpfte sogar um 7,9 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, die Exporte in das Vereinigte Königreich gingen um 4,3 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro zurück.

MAUER AUSBLICK

Für die deutsche Exportindustrie hat das neue Jahr alles andere als verheißungsvoll begonnen: Ihre Erwartungen für die Geschäfte in den kommenden Monaten sanken im Januar erneut.

Das entsprechende Barometer fiel auf minus 8,4 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit September 2023. “Die deutsche Exportwirtschaft startet schlechter ins neue Jahr”, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

“Die Exporteure brauchen neue Impulse.”

Der Außenhandelsverband BGA fordert von der Politik den Verzicht auf neue Regulierungen und mehr Bürokratie. “Die Bundesregierung muss dringend weitere Belastungen, wie sie auch durch die europäische Lieferkettenrichtlinie drohen, verhindern, da sonst die deutsche Wirtschaft nachhaltig und irreparabel geschädigt wird”, sagte BGA-Präsident Dirk Jandura.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Elke Ahlswede.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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