– von Klaus Lauer
Berlin (Reuters) – Marode Netze und schwaches Gütergeschäft, weniger Logistik und noch unpünktlichere Züge.
Trotz steigender Passagierzahlen ist die Deutsche Bahn 2023 tiefer in die roten Zahlen gefahren.
Der Konzernverlust lag bei 2,4 Milliarden Euro und damit deutlich höher als das Minus von 227 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Staatsunternehmen am Donnerstag mitteilte. Gründe sind vor allem ein Gewinneinbruch der Speditionstochter Schenker und hohe Ausgaben für das Schienennetz.
Die Sanierung der Infrastruktur soll aber weitergehen. “Gemeinsam mit dem Bund haben wir das größte und umfassendste Investitionsprogramm seit der Bahnreform 1994 beschlossen”, sagte Bahn-Chef Richard Lutz.
“Dank der starken Aufstockung der Haushaltsmittel durch den Bund können wir rund 30 Milliarden Euro zusätzlich investieren.”
Die Bahn investierte 2023 aus Eigenmitteln den Rekordbetrag von rund 7,6 Milliarden Euro.
Der Konzern ging hier mit rund einer Milliarde Euro in Vorleistung für den Bund, was auf das Ergebnis drückte. Dies lag vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei minus 964 Millionen Euro, soll aber im laufenden Jahr bei über einer Milliarde Euro im Plus liegen.
Im vorigen Jahr bremste die marode Infrastruktur die Bahn nicht nur bei der Pünktlichkeit, sondern auch im Geschäft: Das Schienennetz – früher mit den Erlösen aus den Nutzungsgebühren für die Gleise ein wichtiger Gewinnlieferant für den Konzern – steuerte einen Verlust von rund 1,1 Milliarden Euro bei.
Die zum Verkauf gestellte internationale Speditionstochter Schenker machte nur noch 1,1 Milliarden Euro Gewinn. 2022 hatte Schenker noch einen Rekordgewinn von 1,8 Milliarden Euro erzielt. Das Logistik-Unternehmen (Schiff, Flugzeug, Lkw) spürte, dass sich die hohen Frachtraten mit Abebben der Corona-Krise wieder normalisierten.
Die Bahn sucht für Schenker einen neuen Eigentümer. DB-Finanzvorstand Levin Holle rechnet mit einem Verkauf in der zweiten Jahreshälfte. Zum Anfang des Bieterverfahrens hätten sich mehr als 20 Interessenten gemeldet.
Nach ersten Angeboten wolle man den Kreis der Investoren “deutlich verkleinern”. Mit den Erlösen – laut Schätzungen zwölf bis 15 Milliarden Euro – will der Konzern den Schuldenberg abbauen.
Dieser erhöhte sich auf 34 (2022: 29) Milliarden Euro.
WISSING – BAHN-ZAHLEN “NATÜRLICH NICHT ZUFRIEDENSTELLEND”
Der chronisch kriselnde Schienengüterverkehr von DB Cargo verbuchte 2023 erneut Verluste – das Minus summierte sich auf rund eine halbe Milliarde Euro.
Cargo-Chefin Sigrid Nikutta wich wiederholt der Frage aus, wann die Güterbahn schwarze Zahlen schreibe. Dies hänge von vielen Dingen ab, aber 2024 dürfte das Ergebnis deutlich besser ausfallen, sagte die Managerin.
Cargo ist im Visier der EU-Wettbewerbsbehörde. Denn diese stößt sich daran, dass die Cargo-Verluste der vergangenen Jahre vom Konzern ausgeglichen wurden und sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung.
Auch der Verband “Die Güterbahnen” – Konkurrenten der Deutschen Bahn – kritisieren dies: “Die DB Cargo ist ohne den Tropf zur Staatskasse seit Jahren nicht lebensfähig.”
Bahn-Finanzchef Holle räumte ein, dass die Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB “künftig wieder Geld verdienen und ihre Investitionen perspektivisch aus den laufenden Einnahmen bezahlen” müssten.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) mahnte, der Konzern müsse künftig “deutlich effizienter mit seinen Mitteln umgehen”. Die Zahlen der Bahn seien “natürlich nicht zufriedenstellend”.
Aber massiv in die Infrastruktur zu investieren, sei dennoch der richtige Weg. Greenpeace erklärte dazu, dies könne aber nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer modernen und verlässlichen Bahn sein.
Die Union plädierte erneut für eine Trennung von Netz und Betrieb bei der Bahn. Der Konzern habe eine “Bilanz des Scheiterns” vorgelegt und müsse aufgespalten werden, sagte Unions-Fraktionsvize Ulrich Lange der “Rheinischen Post” und fügte hinzu: “Welch eine Blamage für die Herren Wissing und Lutz.”
Trotz Streiks stieg die Zahl der Passagiere um 5,8 Prozent auf rund 1,8 Milliarden.
Aber das stark ausgelastete Schienennetz und vielen Baustellen verschlechterten erneut die Pünktlichkeit im Fernverkehr: Sie lag bei 64 Prozent und damit unter den Ansprüchen des Konzerns, räumte Bahn-Chef Lutz ein.
Dieses Jahr wolle man einen Wert von 70 Prozent erreichen.
(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)









